Samstag, 30. Juli 2016

Ein Blog ist eine Waffe

Machen wir uns nichts vor — Gentrifizierung ist kein Naturereignis sondern eine Strategie. 
Das Ziel: eine Gesellschaftsschicht (Ärmere, Ältere) zugunsten einer anderen (Topverdiener, Vermögende) zu verdrängen. Wer sich nicht verdrängen lassen will, muss sich folglich auf  kämpferische Auseinandersetzungen mit Eigentümern, Investoren und Behörden einstellen und auf ein entsprechendes Waffenarsenal, das Abmahnungen, Kündigungen und Schikanen aller Art umfasst. Und obendrein viel Geld.
Was haben wir, was wir dem entgegensetzen können? Solidarität und Öffentlichkeit. Das sind unsere stärksten Waffen.
Über ersteres haben wir hier mehrfach geschrieben — wie man sich organisiert um einer drohenden Entmietung gemeinschaftlich zu trotzen. Jetzt soll es um die Seite der Öffentlichkeit gehen, die Entmieter genauso hassen, wie eine gut funktionierende Gemeinschaft von Mieter_innen.
Einen Blog zu machen ist das Mittel der Wahl um Öffentlichkeit für die eigenen Sache zu schaffen. Auch wenn man keinen Internet-Spezialisten in seinen Reihen hat, der eigene Hausblog lässt sich mit ein wenig Einarbeitung selbst auf die Beine stellen ohne Programmierkenntnisse und nahezu kostenfrei. Um Euch die ersten Schritte zu erleichtern, stellen wir hier einige Punkte zusammen, die dabei zu beachten oder zu empfehlen sind.

1.
Worüber schreiben? Im Grunde alles, was rund um das Haus passiert, insbesondere Gerichtstermine, Besichtigungstermine sowie spezielle Ereignisse wie Anschläge, Durchbrüche und derartiges...

2.
Bloggt nur dann, wenn ihr was zu sagen habt. Lesenswerte Artikel brauchen ihre Zeit. Ein guter Wein braucht auch Jahre. Wenn nichts passiert, macht Euch Notizen, entwickelt Ideen, bereitet etwas für später vor.  Holt Euch Inspiration bei anderen Blogs und Mieterinitiativen.

3.
In der Kürze liegt die Würze. Vermeidet Füllworte und Füllsätze. Seid direkt und konkret. Wichtig ist auch ein guter Titel; er sollte die Hauptbotschaft enthalten und neugierig auf den ganzen Artikel machen. Im Hinblick auf  Lesbarkeit und Verständlichkeit ist es immer gut, jemanden zu haben, der einen Artikel vorab Korrektur liest.

4.
Ergänzt Euren Artikel mit Fotos, Videos und Hyperlinks. Bilder veranschaulichen einen Text, machen ihn plastischer. Bei Fotos und Videos denkt an das Urheberrecht und an das Recht am eigenen Bild 
Um auf der sicheren Seite zu sein, verwendet man am besten selbst produziertes Material; gegebenenfalls muss man sich das Einverständnis von beteiligten Personen einholen.

5.
Unterlagensammlung, Bildersammlung, Linksammlung — die redaktionelle Ordnung im Hintergrund entscheidet mit über die Qualität im Vordergrund. Bevor man in die Tasten haut empfiehlt es sich einige Zeit in die Vorbereitung zu investieren. Das erleichtert die Schreibarbeit und erlaubt es später sich voll auf den Inhalt zu konzentrieren.

6.
Denkt bitte daran, dass ein Blog ein gefährliches Spielzeug sein kann. Macht Euch unbedingt mit der rechtlichen Lage vertraut, bevor ihr losbloggt. Nützliche Infos gibt es hier.

7.
Keine Aufrufe zu Straftaten, keine Beleidigungen, keine falschen Anschuldigungen! Schreibt nur darüber, was ihr sicher wisst und notfalls auch nachweisen könnt.
Richtig eingesetzt, ist ein Blog eine wirksame Waffe und kann außerdem viel Spaß machen.